Archiv für Februar, 2009

Verbaselte Zürichreise

Donnerstag, Februar 19th, 2009

Google hilft einem sehr beim Autofahren. Leider hat er eine Links-Rechts- und auch eine Vorher-Nachher-Schwäche. Außerdem war er noch nie in der Schweiz.
Nachdem wir uns eine Weile über die schmalen Schweizer Autobahnen gewundert haben, stellen wir fest, dass die Autobahnschilder hier grün sind statt blau – und wir auf der verkehrten Straße.
“Jedenfalls müssen wir Richtung Zürich-Baden”, meint meine Mutter. “Gut”, sage ich und biege bei Zürich-Basel ab. “Falsch!”, ruft meine Mutter. “Zürich-Baden!” “An Badenbaden sind wir längst vorbei!”, schreie ich. “Schrei mich nicht an!”, schreit meine Mutter. “Halt dich an das Schild Baden-Basel oder Zürich-Basel, aber nicht Badenbaden!” “Bitte”, erkläre ich trotzig, “fahre ich eben nach Baselbasel.”
Kurz vor Zürich sollen wir bei Ausfahrt 53 von der Straße abfahren. Es gibt auch ein Schild. Bloß keine Ausfahrt. Wir drehen um – machen einen kurzen Schlenker über Baselbaden, Baden-badischer-Bahnhof und Bad-Basel, und fahren abermals am Schild mit der 53 vorbei. Immer noch keine Ausfahrt. Sie müssen das Ding einfach vergessen haben! Wir halten uns geradeaus in Richtung Zürich-City, werden aber leider kurz darauf abgebogen: Die rechte Spur trennt sich von der übrigen Straße und fährt eigensinnig in die Wildnis.
Ich drehe mal wieder um (in Badenbasel winken uns die badischen Baseler jetzt schon) und fahre an unserem Lieblings-53er-Schild vorbei …
Spät nachts kommen wir – eher zufällig – in Zürich an (eventuell ist es auch Zürich-Zürich). Dort gibt man uns eine Fernbedienung für die Hotelgarage. “Sie fahren nur zweimal links”, flötet der Rezeptionist, “und dann in die Baseler Straße …”
An besagter Stelle müssen wir mit dem Auto in ein Mauseloch kriechen, danach mit der Fernbedienung in der Hand an einer Ampel hochhüpfen, die aufleuchtet, und schließlich öffnet sich vor uns en Fahrstuhl. Da er geringfügig kleiner ist als das Auto, halten wir die Luft an. Kurz darauf finden wir uns in einer unterirdischen Garage mit 30 Stellplätzen, jedoch nur 20 Quadratmetern Platz. Nachdem wir das Auto wie einen Korken in einen Stellplatz gezwengt haben, erklimmen wir eine Treppe und finden uns in einem Hinterhof wieder.
Eine Tür führt von hier in eine uns fremde Küche, eine in ein Fitnessstudio und eine in einen Kohlenschuppen. Wir findenen einen Durschlupf zur Straße und kommen in einer ganz anderen Gegend von Zürich heraus.
Nach mehreren Stunden erreichen wir das Hotel wieder und merken, dass wir die Windeln im Auto vergessen haben. “Es gibt auch einen kurzen Weg zur Garage”, sagt der Rezeptionist. “Über die Innentreppe.”. Am Fuße besagter Treppe finden wir einen Wäscheraum, einen Heizungskeller und – mehrere Autos. Unseres leider nicht. Dafür hat sich jetzt die Feuertür hinter uns geschlossen. Wir kriechen durch ein Heizungsrohr zurück.
“Ich nehme an”, meint der Rezeptionist, “ihr Auto ist in unserer Zweitgarage. Da kommen sie in einen Hinterhof. In einer Ecke gibt es eine winzige Terasse mit Zaun. Sie klettern einfach durch das Loch im Zaun, gehen durch die Terassentür undn kommen hinter der Mantelgarderobe heraus.”
Lieber Leser, dies ist alles wahr! Fragen Sie das Hotel Scheuble!
Wenn sich dort mehrere Autoren treffen, spricht man nicht vom Wetter. Man spricht von der Garage.
Ich konnte nicht widerstehen: Ich habe eine der beiden Fernbedienungen mitgenommen. An meinen boshafteren Tagen lasse ich von hier aus den Autofahrstuhl in Zürich auf und ab fahren, um alle noch mehr zu verwirren …